Interview mit Heiko Blessin

Meine Liebe zum Meer

Heiko Blessin ist nach vielen Jahren im Aussendienst zu JBL gewechselt. Seit 2000 ist er Marketing- und Überseeexportleiter vom asiatischen und pazifischen Raum. Ausserdem ist er Leiter der JBL-Forschungsexpeditionen. Wir haben mit Ihm über JBL die Forschungsexpeditionen und der Aquaristik gesprochen.

 

die-aquaristik.de, David Odenthal: "Wie sind Sie zu Ihrem Beruf und Ihrer Berufung gekommen?"

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Nach meinem Biologiestudium habe ich eine Zeitlang Meeresökologie unterrichtet und Forschung betrieben. Das hat zwar Spaß gemacht, aber wenig Geld eingebracht. Somit habe ich mich der Industrie zugewendet und bei einem Aquaristikunternehmen im Außendienst als Vertreter angefangen. Ich wollte auch diese Seite kennenlernen, nachdem ich privat schon seit meinem 9. Lebensjahr Aquarianer war und acht Jahre lang in einem Aquaristikgeschäft in Hamburg gejobbt hatte. Nach einem Jahr Außendienst in Deutschland wurde ich in die USA und nach Asien geschickt, um dort den Verkauf zu fördern. Kurze Zeit später war in weltweit unterwegs und schulte Importeure rund um den Globus. Die Erfahrung mit Zoohändlern und Aquarianern in über 60 Ländern der Welt hat mir sehr viel Erfahrung eingebracht, die ich heute wiederum in Seminaren weitergebe. 2000 wechselte ich zu JBL, wo ich die Marketing- und Überseeexport-Leitung übernahm. So habe ich eine schöne Kombination aus „Schreibtischarbeit“ und Reisetätigkeit

 

 die-aquaristik, David Odenthal:  "Was hat Sie dazu bewogen Meeresbiologe zu sein?

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Meine Liebe zum Meer! Schon als Kind war ich im Mittelmeer schnorcheln. Im Fernsehen unterstützte die Fernsehserie Flipper meinen Wunsch, beruflich mit/ im Meer zu arbeiten. Ein Sammelalbum mit Bildern von Hans Hass bedeutete mir als Kind sehr viel. Vor kurzem durfte ich Hans Hass (jetzt 90 Jahre alt) persönlich treffen – was sehr ergreifend war. Als mein erstes Meerwasseraquarium dazu kam, war es passiert: Es gab mehr Fragen als Antworten und so wusste ich, was ich werden wollte. Ich unterhielt mich während der JBL Expedition nach Südafrika einen ganzen Abend lang mit dem bekannten Haiforscher Dr. Erich Ritter (www.sharkschool.com ) über dieses Thema. Ihm ging es genauso: Tarzan, Flipper und Daktari haben Spuren hinterlassen und wir hatten das Glück, diese Träume in die Realität umsetzen zu können."

 

die-aquaristik, David Odenthal: "Was bewegt Sie besonders in der Aquaristik, Terraristik und wie vereinbart sich die Arbeit mit Ihrer Berufung?"

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Fehler, die zum Tod der Tiere führen und die Entnahme von Wildtieren für Aquarien/Terrarien bewegen mich (im negativen Sinn) am meisten. Durch Schulungen, Broschüren und die JBL Homepage (Online Labor, Online Hospital) versuche ich zu helfen. Mit Hilfe unserer JBL Forschungsaktivitäten bemühen wir uns, neue Infos zur Nachzucht der Tiere zu erhalten. Je mehr wir über unsere Pfleglinge erfahren, desto eher können wir sie nachziehen. Auch wenn ich unsere Exportkunden in Australien oder Asien besuche, verbinde ich solche Reisen immer mit einem kurzen (privaten) Abstecher in ein Heimatgebiet unserer Zierfische, um Informationen zu erhalten und darüber in Aquarienmagazinen zu schreiben. Viele Berichte konnte ich auch in Tauchzeitschriften veröffentlichen, die von einer großen Zahl Aquarianer gelesen werden."

Weiterhin unterstütze ich mit Infos und meinen Unterwasserbildern SharkProject, eine Schutzorganisation für Haie (www.sharkproject.com ). Bei Vorträgen in Asien mache ich mich gerne unbeliebt, wenn ich gegen den Haifischflossenverzehr plädiere. So versuche ich meinen kleinen Teil beizutragen, dass unsere Umweltzerstörung etwas verlangsamt wird."

 

die-aquaristik, David Odenthal:  "JBL bietet jährlich Workshops und Reisen in das ferne Afrika, in den Amazonas an. Wir würden gerne wissen, was für sie ein ganz besonderes Erlebnis war?"

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Es gibt einige Meeresbewohner, die ich nur von Bildern oder aus Filmen kannte. Die erste Begegnung mit diesen Tieren im Wasser bleibt mir immer sehr präsent im Gedächtnis: Der erste Blick unter Wasser im Malawisee war umwerfend. Da schwammen unsere Cichliden in riesigen Mengen herum – wie in einem überfüllten Aquarium! Der erste Weiße Hai in Südafrika: 5 Meter Hai mit 1000 kg waren schwer beeindruckend. Andre Hartmann, einer der führenden Haispezialisten in Südafrika hat mich eingeladen, ohne Käfig mit den Weißen Haien zu tauchen. Wenn ich diese Einladung endlich annehmen kann, wird es sicherlich das Hailight meines Lebens werden! Mein erster Wonderpus (eine Krakenart): Jahrelang habe ich auf diesen Augenblick gewartet, dieses unglaubliche Tier zu sehen. Und plötzlich saß er auf dem Meeresboden (Sabang Beach/Philippinen) und sah mich an. Er tarnte sich als Seeschlange, dann als Flunder bevor er sich Arm für Arm in den Sand verkroch. Ich könnte noch seitenweise von wunderschönen Begegnungen schreiben, die mich sehr nachhaltig beeindruckt haben."

 

die-aquaristik, David Odenthal:  "Sind diese Reisen gefährlich? Gerade auch im Bezug auf die aktuelle Situation im fernen Afrika?"

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Ich wähle nur Reiseziele für die JBL Expeditionen/Workshops aus, die als „sicher“ gelten. Natürlich gibt es keine Garantie, aber mit einigen Verhaltensregeln übersteht man auch Überfälle und problematische Situationen. Auch Tropenkrankheiten müssen bedacht werden. Bilharziose ist ein echtes Problem in Afrika. Wenn man barfuss durch eine Pfütze läuft hat mich sich diesen kleinen wurmförmigen Erreger meist schon eingefangen. Also wurde im Malawisee nie vom Ufer, sondern immer nur vom Boot aus getaucht, nie in der Nähe von Dörfern ins Wasser gehen usw. Ich hatte Prof. Madsens kontaktiert, der über diese Krankheit geforscht hatte und mir Ratschläge vom Profi geholt, denn ich möchte weiterhin gesund bleiben. Wir nehmen immer einen Arzt mit, der bei den täglichen „kleinen“ und großen Problemen hilft und gleichzeitig noch Taucharzt ist. Bisher konnten alle Verletzungen schnell behandelt werden und ich drücke die Daumen, dass es so bleibt! Nächsten Dienstag fliege ich vorab nach Tansania, um unseren JBL Workshop 2010 vorzubereiten. Sorgfältige Planung beugt Problemen in der Regel vor."

 

die-aquaristik, David Odenthal:  „Hatten Sie bereits die Möglichkeit, nicht bekannte Arten selbst zu erforschen?"

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Manchmal habe ich die tolle Möglichkeit an schwer erreichbaren Orten zu tauchen und Tiere unter Wasser zu beobachten sowie zu fotografieren, die noch nicht bestimmt wurden. Die Bilder sende ich dann zu Spezialisten, die aber auch oft passen müssen. Aber ich bin nicht wild darauf, dass irgendeine Kreatur dann blessinii heißt."

 

die-aquaristik, David Odenthal:  „Besitzen Sie selber auch ein Aquarium?"

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Leider im Moment nicht, weil ich meiner Frau die Pflege in meiner Abwesenheit nicht zumuten möchte. Mein letztes Aquarium war ein 1000 Liter Riffaquarium."

 

die-aquaristik, David Odenthal:  "Was können Sie den Aquarianern mit auf den Weg geben?"

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Aquaristik/Terraristik ist ein fantastisches Hobby, das uns immer ganz nahe bei der Natur sein lässt. Nicht jeder hat das Glück und das Geld sich die Heimatbiotope unsere Aquarien- und Terrarienbewohner in der Natur live anzusehen und daraus zu lernen. Aber auch Berichte und Liebe zum Tier reichen aus, um artgerechte Bedingungen zu schaffen. Ich finde es schade, dass viele Aquarianer ihren Fischen nur eine Sorte Futter anbieten, aber selbst jeden Tag etwas anderes essen möchten. Ich bedaure den Trend zu Nano-Aquarien, weil viele Nano-Aquarienbesitzer nach kurzer Zeit doch einen „Goldfisch“ zu den Garnelen dazusetzen, was natürlich nicht funktionieren kann. So wird das Becken veralgen und wir haben leider wieder viele Aussteiger aus dem Hobby Aquaristik, die auch nie wieder damit anfangen werden. Nur will das niemand hören, denn mit dem Nano-Trend kann man ja kurzfristig viel Geld verdienen!"

 

Abschließend: "Wie finden Sie die Idee ein Portal aufzubauen, wie aqua-village.de (jetzt die-aquaristik.de)?

 

Diplom Biologe Heiko Blessin, JBL: "Eine tolle Idee, die nun über die Zeit zeigen muss, wie aktuell sie bleibt und wie hochwertig die Beiträge weiterhin bleiben. Viele Internetportale haben gut angefangen und dann stark nachgelassen. Machen Sie es besser!"

 

Wir bedanken uns für das freundliche Interview und wünschen alles Gute!

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